Sunday, April 21, 2013

Auf welche Weise lernst du am besten?




Die Rolle der unterschiedlichen Lerntypen

Gerade auf dem 2. Bildungsweg ist es wichtig, die zur Verfügung stehende Zeit sinnvoll zu nutzen. In unserem Institut (http://www.citykolleg.de/) haben wir den Vorteil, in kleinen Gruppen arbeiten zu können, was sich sehr positiv auf den Lernprozess auswirkt. Dennoch spielt das Selbststudium eine herausragende Rolle und darf nicht unterschätzt werden. Es gilt also, dieses zu optimieren.

Wenn du dich selbst beim Lernen beobachtest, kannst du relativ leicht feststellen, welcher Lerntyp du bist. Bevorzugst du eher das Sehen, das Hören oder das konkrete Handeln beim Lernen? Oder bist du vielleicht eher ein „Mischtyp“, der gerne verschiedene Sinnesorgane anspricht? Was für dich typisch ist, kannst du beim Lernen auch als deine Stärke nutzen. Im Folgenden findest du eine Beschreibung der verschiedenen Lerntypen, Links zu verschiedenen Lerntypentests, sowie einige Lerntipps für alle Lerntypen.

Der auditive Lerner

Was zeichnet diesen Lerntyp aus? Sicherlich können sie in der Regel problemlos Fachdiskussionen folgen, diese gut „verarbeiten“ und deren Inhalte recht problemlos behalten. Folglich hören sie gerne zu und nehmen einen Großteil an Informationen insbesondere dann gut auf, wenn das Sinnesorgan Ohr am stärksten bei der Informationsverarbeitung beteiligt ist. Manchmal ist zudem zu beobachten, dass sie während des Zuhörens unbewusst die Lippen bewegen und den Lernstoff mit anderen aus der Lerngruppe laut besprechen.
Ein weiteres Merkmal ist die Fähigkeit des Nacherzählens, Auswendiglernens und die Vorliebe für (fremdsprachige) Musik, Vorträge, Hörbücher und Gespräche aller Art. Von großem Vorteil ist, dass sich ein auditiver Lerner die Satzmelodie sowie den Rhythmus der zu erlernenden Sprache relativ schnell und im Idealfall auch dauerhaft einprägen kann. Vermeiden sollte dieser Lerntyp rein schriftliche Übungen sowie Lerngruppen, in denen der Stoff lediglich besprochen wird und keine Notizen gemacht werden. Eine Veränderung der Reihenfolge des Lernstoffs im Sinne eines wöchentlichen Lernplans gilt als ungünstig. Wenn auditive Lerner nach den Lernmethoden gefragt werden, die sie bevorzugen, dann werden häufig folgende genannt: Lautes Lesen von Texten, Hören von Audio-Books / Kurs-CD's oder auch das Hören von Nachrichten über das (Online-)Radio.
Ich schlage vor, zu lernende Vokabeln auf ein Diktiergerät aufzunehmen und diese regelmäßig 1-2 mal laut abzuspielen. Idealerweise werden die neuen Vokabeln in eigene Sätze und somit in einem Sinnzusammenhang gepackt.

Der visuelle Lerner

Dieser Lerntyp nimmt vor allem dann Informationen gut auf, wenn sie übersichtlich und optisch entsprechend aufbereitet sind. So macht er sich häufig Notizen und skizziert Inhalte, um sich diese besser merken zu können. Oftmals liest er Texte lieber selbst, kann sich dabei an Einzelheiten gut erinnern und legt eine ordentliche, präzise Arbeitsweise an den Tag. Er kann sich also an Gelerntes hervorragend erinnern, wenn es vor dem „inneren Auge“ erscheint. Ablenkung durch optische Reize wie beispielsweise Bilder an der Wand oder Unordnung auf dem Schreibtisch beziehungsweise in den Arbeitsunterlagen sollte der visuell geprägte Schüler eher vermeiden. Auch Hörbücher oder Vorträge werden sicherlich nicht genügend „Lernreize“ hervorrufen können.
So kann es beispielsweise sinnvoll sein, mit Lernkarteien und Mind-Maps zu arbeiten und sich Lesematerial in der Zielsprache zu kaufen. Mittlerweile gibt es die sogenannten „Graded Readers“, d.h. Bücher mit eher kurzen Textlängen, sowohl Fiktion als auch Sachbücher, die für Sprachlernende geschrieben worden sind. Es gibt sie für sechs unterschiedliche Sprachkompetenzniveaus, die  nach dem „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen“ eingestuft sind. Solche fremdsprachigen Lektüren beinhalten oftmals sogar Wortschatz- und Grammatikübungen, die in den jeweiligen Texten ihren Schwerpunkt finden.
Zudem kann es durchaus sinnvoll sein, Lernposter zu erstellen. Diese können dann in der Nähe des Arbeitsplatzes aufgehängt und beispielsweise wöchentlich ausgewechselt werden. Ein bewusstes Wahrnehmen des Inhalts ist jedoch zwingend erforderlich. Das bedeutet, dass kaum etwas gelernt werden kann, wenn der Lernende in seiner Lernpause lediglich einen kurzen Blick darauf wirft.
Erwähnenswert ist außerdem, dass Ruhe sowie eine feste Tagesordnung in Form eines Lernplans den Lernerfolg des visuellen Lerners wesentlich verbessern kann.

Der kinästhetische Lerner

Wenden wir uns nun dem kinästhetischen Lerner zu. Es kann beobachtet werden, dass dieser viel Aktion und Bewegung beim Sprachenlernen braucht. Das bedeutet, dass er vor allem durch kreatives Schaffen, durch Erfahrung und durch unmittelbare Beteiligung lernt. Meist lässt er sich von seinem Gefühl leiten und setzt Impulse sofort in Aktionen um. Typisch ist also für ihn, dass er zu Beginn einer Übung nicht lange zögert oder über verschiedene Lösungswege nachdenkt. Häufig gestikuliert er beim Erzählen mit den Händen und nimmt neuen Lernstoff sozusagen über den Tastsinn auf. Er ist ein praktisch veranlagter Mensch, für den längeres Stillsitzen und theorielastige, monotone Reden eine Belastung darstellen. Es kann hilfreich sein, beim Lernen zu stehen oder auf-und ab zu gehen. Auch ein Wechsel der Lernumgebung kann helfen, nachlassende Konzentration wieder zu verbessern. Helle Räume, eine passende Raumtemperatur, das regelmäßige Lüften des Zimmers und eine schonende Sitzhaltung tragen ebenfalls zu einer angenehmen und gesunden Lernatmosphäre bei. Die meisten Lerner werden Ruhe als positiv empfinden, jedoch gerade die kinästhetischen Lerner finden es oftmals angenehm, leise Musik oder Stimmen aus dem Fernseher im Hintergrund zu hören. Jeder Lerner sollte selbst herausfinden, ob es das Lern- und Arbeitsverhalten eher positiv oder negativ beeinflusst.

Der kommunikative Lerner

Es stellt sich nun die Frage, wie ein kommunikativer Lerner am effektivsten lernt und welche Methoden er bevorzugt.
Auffallend ist, dass er gerne in Gruppen lernt und somit eine verbale Auseinandersetzung mit dem Lernstoff sucht. Das Verfassen eines Dialogs oder die Verwendung neu erlernter Wörter und Phrasen im Kontext helfen ihm, den Stoff besser zu behalten. Jedoch ist das mehrfache Wiederholen unabdingbar, denn nur so können frisch angelegte „Synapsenwege“ im Gehirn aufrechterhalten bleiben. Er erschließt sich seine Schlussfolgerungen durch Diskussionen und neigt dazu, sich Wissen spielerisch – auch gerne in Form eines Wettbewerbs – anzueignen. Im Unterricht selbst bevorzugt er in der Regel Debatten, Rollenspiele, Referate bzw. Präsentationen, Gruppen- und Projektarbeit. In Gesprächen nimmt er gerne sowohl die Position des Fragenden, als auch die des Erklärenden ein. Konstruktives Feedback wird normalerweise gut angenommen und widersprüchliche Meinungen als Gelegenheit zur Kommunikation genutzt.
Ich empfehle es, sich um den Kontakt zu einem Muttersprachler - oder einer Person mit ähnlicher Sprachkompetenz - zu bemühen. Wenn es terminliche Schwierigkeiten gibt, können Unterhaltungen genauso gut über Skype oder vergleichbare Anbieter stattfinden. Hier bietet ein Smartphone in der Regel genügend Möglichkeiten mithilfe einer Internetverbindung an. Selbst englische Emails und SMS stellen eine Form der Kommunikation dar und bieten Gelegenheit, neu erlernte Vokabeln im selbstgewählten Kontext zu verwenden.    

Viele konzentrieren sich beim Lernen leider nur auf ein Sinnesorgan – am häufigsten ist es das Auge. Selbst wenn man herausgefunden hat, welcher Lerntyp man ist, sollte immer darauf geachtet werden, so viele Sinnesorgane wie möglich anzusprechen – mindestens zwei sollten es auf jeden Fall sein! Je unterschiedlicher wir uns einen Lernstoff aneignen, desto vielfältiger sind die Möglichkeiten des Erinnerns und Behaltens. Es gilt folgendes:

Sinnesorgan(e)-  Erinnerungsqote
Nur Hören - 20%
Nur Sehen - 20%
Sehen und Hören - 50%
Sehen, Hören und Diskutieren - 70%
Sehen, Hören, Diskutieren und selbst etw. tun - 90%

Ein Lerntypentest gibt Auskunft über den eigenen Lerntyp. Es gibt eine große Anzahl an Lerntypentests online, die zum Teil sehr unterschiedlich aufgebaut sind. Der Lerntypentest sollte den Lernenden ansprechen und möglichst zum Lerntyp passende Lernhilfen empfehlen. Es lohnt sich durchaus, einen solchen Test durchzuführen, um das Lernen effektiver zu gestalten.


Hierzu ein paar Links:





Erwähnenswert ist auch, dass meistens „Zwischenformen“ festzustellen sind, d.h. ein Lerner ist beispielsweise auditiv-kommunikativ oder visuell-kinästhetisch etc. Die jeweiligen beteiligten Sinnesorgane sollten natürlich stärker genutzt werden, wobei die anderen nicht vergessen werden sollten.

Abschließend möchte ich nun ein paar Lerntipps für alle Lerntypen auflisten:

  • Klärung: Wozu will ich das lernen? (aus Interesse, aufgrund einer Leistungsabnahme oder Prüfung)  
  •  Immer wieder neue, ungewohnte Wege gehen! Wähle verschiedene Lernmethoden, wechsle den Arbeitsplatz, nutze verschiedene Informationsquellen, etc.
  • Spreche verschiedene Sinne an!
  • Versuche herauszufinden, zu welcher Tageszeit du am besten lernen kannst und versuche, zu diesen Zeiten zu arbeiten.
  • Du kannst freie Zeiten besser nutzen, indem du Entspannung und Konzentration durch entsprechendes Training förderst. Ein Pilates-Kurs in einem Fitnessstudio kann sehr hilfreich sein!
  • Versuche, dir das Lernen schmackhaft zu machen: angenehme Arbeitsatmosphäre (evtl. leise Musik im Hintergrund), aufgeräumter Schreibtisch, helles Arbeitszimmer, Belohnung nach intensiven Lernphasen, frische Luft, etc.
  • Störungen vermeiden: schalte dein Handy für eine bestimmte Zeit aus oder lege es zur Seite. Lasse den PC aus, wenn du ihn nicht zur Recherche brauchst. Vermeide es also, Facebook oder ähnliches im Hintergrund laufen zu lassen. Bitte auch deine Familie / Mitbewohner, dich in deiner Lernzeit nicht anzusprechen, wenn es nicht unbedingt sein muss.
  • Nach 90 Min. brauchst du eine Pause! Genieße diese und habe kein schlechtes Gewissen, dass du in dieser Zeit nichts machst. Setze spätestens nach 20 Min wieder neu an.
  • Manchmal helfen Eselsbrücken! Versuche dir welche zu bauen, wann immer es geht.
  • Lernplan! Fester Ablauf, Rhythmus und Struktur helfen, einen Überblick über den Lernstoff zu bekommen und zeigen dir, was du bereits gelernt hast bzw. noch lernen musst.
  • Es empfiehlt sich hier, Kästchen hinter einzelnen zu lernenden Kapiteln zu machen, die du abhaken kannst, wenn du den Lernstoff beherrscht. Auch ein lachender, ein besorgt schauender und ein weinender Smiley können helfen, den Stoff dementsprechend einzuteilen und ihm somit eine Gewichtung zu geben.
  • Sei stolz auf Erreichtes! Lernen darf Spaß machen! Sei bzw. bleibe neugierig und lese nach, wenn dich etwas interessiert.
  • Weniger ist manchmal mehr: lerne nicht auf „den letzten Drücker“! Es ist besser, langfristig 1-2 Stunden pro Tag zu lernen als mehrere Wochen / Monate gar nicht und sich dann 8-10 Stunden lang zu „quälen“.
  • Vermeide fettiges und zuckriges Essen bevor du lernst. Deine Leistung wird zwar durch den Anstieg des Blutzuckerspiegels zunächst erhöht, fällt jedoch sehr schnell wieder ab. Das hat zu Folge, dass du sehr schnell unkonzentriert und müde wirst. Esse lieber frisches Obst und Vollkornprodukte!
  • Trinke ausreichend! 1,5 – 2l Flüssigkeit (vorzugsweise Wasser oder Tee) eignen sich für das Lernen am besten.
  • Schlafe genügend: mindestens 5 Stunden brauchst du, um den Tiefschlaf, der wiederrum sehr wichtig für das Verarbeiten von Informationen ist, zu erreichen. Empfohlen werden jedoch 6-9 Stunden Schlaf pro Nacht. Wie viel Schlaf der Einzelne braucht, ist jedoch sehr individuell, finde aber heraus, wie viel Schlaf dir gut tut!

 
Wichtig: Wiederholen ja – aber immer verschiedenartig. Schreibe dir am Ende einer Lernphase Fragen und Aufgabenstellungen auf, entwickle ein Rätsel, beispielsweise für Vokabeln (www.puzzlemaker.com) und verwende diese zum Wiederholen und Festigen.
Du kannst dir auch ein Frage-Quiz erstellen, welches du dann beispielsweise erst ein paar Tage oder Wochen später angehst.
Auf http://quizlet.com/ kannst du Karteikarten erstellen, speichern, ausdrucken oder auf den USB-Stick ziehen.


      *** Das Allerwichtigste nun zum Schluss: Glaube an dich selbst und habe Mut! ***


Ein Artikel von Melanie Beer

No comments:

Post a Comment